Mseroe und Mrieny (Tansania)

Seit mehr als 25 Jahren besteht eine Partnerschaft mit den beiden Gemeinden Mseroe und Mrieny am Fuße des Kilimandscharo. Die Partnerschaft unterstützt den kulturellen Austausch und hat das Ziel, die Bildung und Ausbildung innerhalb der Partnergemeinden in Tansania nachhaltig zu fördern.

+++ AKTUELL +++Tansania-Tag: 22.03.2020 +++ Bericht aus Tansania: Februar 2020 +++

Übersicht:

Tansania-Partnerschaft aktuell

Projekte & Themen  heute – morgen – gestern

Kontakt & Organisation

Grundlagen & Historie

Spenden & Aktionen

Treffen & Reisen

Foto-Galerie

Marijampole (Litauen)

Seit September 1992 besteht eine Partnerschaft mit der kleinen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Marijampole, der Partnerstadt der Stadt Bergisch Gladbach im Südosten Litauens. Die Gemeinde, die sich seit der Unabhängigkeit Litauens wieder zusammengefunden hat, wurde 1822 gegründet und besaß seit 1843 eine große Kirche, die im Krieg beschädigt und geplündert und nach 1945 enteignet wurde. Die evangelischen Christen mussten sich viele Jahre heimlich in ihren Wohnungen treffen, da die Gemeinde offiziell verboten war. Inzwischen ist das Kirchengebäude an die Gemeinde zurückgegeben und mit großem Einsatz der Gemeindeglieder renoviert und eingerichtet worden. Finanzielle und materielle Hilfe erhielten sie dafür von vielen Seiten, auch von unserer Gemeinde. Ein neues Abendmahlgeschirr und das Taufbecken haben wir in Marijampole herstellen lassen und der Gemeinde geschenkt. Durch Hilfslieferungen, Briefe und auch Besuche sind inzwischen vielfältige Kontakte entstanden. Im August 2004 übereigneten wir der Gemeinde einen kleinen Bus, der nun für einen Shuttle-Service zum Gottesdienst, sowie Chor- und Jugendfreizeiten zur Verfügung steht.

Besonders glücklich sind die Menschen in der Gemeinde, dass sie seit September 1997 ihren eigenen Pfarrer haben, der aus der Gemeinde stammt und in Memel Theologie studiert hat.

Außerdem erhalten drei Studentinnen von uns ein Stipendium, das ihnen ein gesichertes Studium ermöglichen wird.

Wenn Sie weitere Informationen haben möchten, wenden Sie sich bitte an

Herr Dr. G. Festerling, Telefon 02204 / 6 94 23


„Im Juli 2006 besucht eine Gruppe unserer Gemeinde die Partnergemeinde in Marijampole mehr …“

Temesvar (Rumänien)

Seit vielen Jahren unterhalten wir unsere Patenschaft zur Pflegestation für ausgesetzte und unterernährte Säuglinge und Kleinkinder der Kinderklinik in Temesvar/Rumänien.
Spenden und andere Unterstützungen für die Gemeindeprojekte bringen wir persönlich vor Ort. Hilfstransporte nach Temesvar organisieren wir drei bis viermal jährlich.

Spenden unter Angabe des jeweiligen Projektes gegen steuerlich absetzbare Spendenquittung  sind stets willkommen
IBAN: DE49 3506 0190 1010 6100 16
Konto Evangelische Kirchengemeinde Bensberg, KD-Bank eG. Duisburg,
BIC: GENODED1DKD 

Für Temesvar suchen wir weiterhin ständig gebrauchte Babykleidung (Strampler) und Bettwäsche. Für solche Spenden sprechen sie uns bitte über das Gemeindebüro an, wir freuen uns.
Bezirkskurator Wilhelm Untch aus Reichesdorf hat für den Gemeindebrief der Ev. Gesamtkirchengemeinde Medias einen Artikel verfasst, den wir hier gern widergeben. Er zeigt die Geschichte und Bedeutung unserer Gemeindepartnerschaft am Beispiel der Reichesdorfer exemplarisch auf.
 

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Reichesdorf (Rumänien)

Seit vielen Jahren unterhalten wir eine Partnerschaft zur Ev. Kirchengemeinde Reichesdorf bei Medias in Siebenbürgen (Rumänien).
Spenden und andere Unterstützungen für das Projekt bringen wir persönlich vor Ort. Nach Reichesdorf fahren wir regelmäßig alle zwei Jahre.
Spenden unter Angabe des jeweiligen Projektes gegen steuerlich absetzbare Spendenquittung  sind stets willkommen
IBAN: DE49 3506 0190 1010 6100 16
Konto Evangelische Kirchengemeinde Bensberg, KD-Bank eG. Duisburg, BIC: GENODED1DKD IBAN: DE49 3506 0190 1010 6100 16.

Bezirkskurator Wilhelm Untch aus Reichesdorf hat für den Gemeindebrief der Ev. Gesamtkirchengemeinde Medias einen Artikel verfasst, der die Geschichte und Bedeutung unserer Gemeindepartnerschaft für die Reichesdorfer darstellt.

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Kalungu

Partnerschaft der Kirchenkreise: Aktueller Bericht

Partnerschaft der Kirchenkreise
Köln-Rechtsrheinisch und Kalungu, Demokratische Republik Kongo

Im Bewusstsein der Verbundenheit aller Christen, hat der Kirchenkreis Köln- Rechtsrheinisch 1990 Verbindungen zu den Kirchenkreisen Buricà (Brasilien), Kaohshiung (Taiwan) und Kalungu (damals Zaire) aufgenommen. Durch von  Gemeinden getragene Partnerschaften sollte der Austausch und Dialog über theologisches Denken und Handeln in der Ökumene gepflegt und den Gemeinden ein exemplarisches Lernen vor Ort ermöglicht werden.

Der Kirchenkreis Kalungu

gehört mit seinen 16 Gemeinden zur Communauté Baptiste au Kivu (CBKA), später erweitert zur Baptistischen Kirche im Zentrum Afrikas (CBCA).
Kalungu liegt im Osten (im Kivu) des Kongo, 50 km von der Regionalhauptstadt Goma entfernt, nahe der Grenze zu Ruanda. Die Zentrale der Baptistischen Kirche ist  in Goma.
Hervorgegangen aus einer amerikanischen Missionskirche, war sie nach der 1959 erlangten Selbständigkeit fundamentalistisch, moralisch geprägt. Eine neue Generation von ausgebildeten Theologen versuchte dann, eher den afrikanischen Bedürfnissen in Diakonie und Seelsorge gerecht zu werden. Die CBCA ist wie unsere Rheinische Kirche Mitglied der Vereinten Evangelischen Mission (VEM), einem Zusammenschluss von Kirchen in drei Erdteilen, die zusammen arbeiten, die Verantwortung teilen und gemeinsame Beschlüsse fassen für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.

Partnerschaft
soll die Einheit der Kirchen bezeugen, Vertrauen schaffen und Brücken in der Welt bauen über alle Grenzen hinweg. Die Partner lernen trotz aller kulturellen Unterschiede, auf einander zu hören und wechselseitig von einander zu lernen.
Um das zu erreichen, braucht es gegenseitige Informationen, vor allem aber menschliche Begegnungen durch regelmäßige Besuche, um sich kennen zu lernen, die je eigene Kultur zu erklären, die Bibel zu lesen, Argumente auszutauschen und gemeinsame Projekte zu entwickeln. Solche Besuche haben 1993, 1999, 2003 und 2011 in Köln und 1990 und 1998 in Afrika stattgefunden. Sie wurden in den Gemeinden von vielen nicht nur als interessant, sondern auch als bereichernd und motivierend erlebt.
Höhepunkte waren die internationalen Begegnungen aller 4 Kirchenkreise 2003 und 2011 in Köln. Das Motto in 2003 lautete: „Alle in einem Boot“, das Thema in 2011: „Wo dein Herz ist…“ (das Thema des Kirchentages in Dresden). Die Vorbereitung und Durchführung dieser  ökumenischen Begegnungen war eine große Bereicherung und ein Geschenk für alle, die teilgenommen haben. Die Erfahrung der Vernetzung über die ganze Welt mit Menschen gleichen Glaubens im Geiste Jesu Christi hat die Partnerinnen und Partner und auch die Mitarbeitenden aus den Gemeinden unseres Kirchenkreises bewegt und sehr ermutigt, auch in Zukunft weiter aufeinander zuzugehen.
Die sehr herbeigesehnten Besuche in Kalungu wurden immer wieder vorbereitet, mussten dann aber mehrfach wegen der Kriegssituation im Kongo abgesagt werden.
Um die Vorhaben umzusetzen, arbeiten in Köln und Umgebung sieben Gemeinden für die Kirchenkreispartnerschaft mit Kalungu zusammen. Ein großes Projekt zur Unterstützung der Landbevölkerung in Kalungu wurde 1996 auch mit Hilfe des Evangelischen Entwicklungsdienstes finanziert und fertig gestellt: Die Entbindungsstation in Kalungu wurde in den folgenden Jahren durch mehrere Gebäude zu einem Krankenhaus ausgebaut. Nun gibt es dort einen Arzt und acht Krankenpfleger und Pflegerinnen.

Probleme
1990 galt der Kirchenkreis Kalungu als einer der ärmsten in der Baptistischen Kirche des Kongo. In ihm leben Menschen vieler verschiedener Stämme, vor allem zahlreiche Zuwanderer aus Ruanda. Es war daher schon immer ein Anliegen der Kirche, das Zusammenleben der Menschen  mit verschiedener Herkunft zu unterstützen.
Der seit 15 Jahren andauernde Krieg im Osten des Kongo mit zahlreichen, wechselnden Kriegsparteien im Land und außerhalb der Landesgrenzen hat den Kirchenkreis Kalungu in besonderer Weise betroffen: Flüchtlingsströme nach dem Völkermord in Ruanda, vertriebene Dorfbewohner, Flucht der Landbevölkerung in die großen Städte auf der Suche nach Unterkunft und Arbeit, Kriegswitwen und -waisen, plündernde Soldaten und verwüstete Felder. Kinder werden als Soldaten, Mädchen als Sexsklavinnen entführt. Die Eltern können das Schulgeld nicht bezahlen. Hunger und Elend immer wieder.

Seit dieser Zeit trägt der Staat auch immer weniger zum sozialen Leben bei:
– keine Gesundheitsversorgung,
– kein Gehalt für die Lehrer,
– keine Straßen,
– keine Sicherheitsmaßnahmen.
Es sind die Kirchen, die das soziale Leben organisieren, mit Schulen, Erwachsenenbildung, Gesundheitseinrichtungen und Nothilfe. Manchmal ist Hilfe nur mit tagelangen Fußmärschen und Gefährdung der eigenen Person zu erreichen.

In dieser schwierigen Lage haben die Menschen in und um Köln, aber auch der Kirchenkreis mit finanziellen Mitteln mitgeholfen, Missstände zu beheben und den Partnern zu helfen.

Die Partnerschaftsarbeit sollte von Anfang an auf die menschliche und solidarische Gemeinschaft der Christen ausgerichtet sein mit Schwerpunkt auf Austausch von Gemeinde – Erfahrungen, gemeinsamen Planungen von Aktionen, Gottesdiensten und Gemeindefesten. Die Mitarbeiter des Arbeitskreises Kongo halten die Gemeinden in Informationsartikeln im Gemeindebrief über die Partnerschaftsarbeit auf dem Laufenden. Die Wirklichkeit aber zeigte sich unbarmherzig: der Krieg im Kongo machte viele Vorhaben zunichte, die Christen in Deutschland mussten mit viel Geld aushelfen an Stelle lebendiger Begegnungen und  bereichernder Erfahrungen.

Trotz aller schlimmen Erfahrungen hat der Kirchenkreis Kalungu einen positiven Weg genommen. Die kirchlichen Mitarbeiter arbeiten weiter an den angefangenen Aufgaben. Die Schulen wurden wieder hergerichtet, das gestohlene Holz von Türen und Fenstern ersetzt. Das Dach gedeckt. Maismühlen wurden gekauft, um das schwere Leben der Frauen zu erleichtern.
Ein Gemeindezentrum im krisengeschüttelten Masisi wurde gebaut. Dort sollen vergewaltigte Frauen und Mädchen Unterkunft finden, einen Kredit erhalten, um z.B. durch eine Nähmaschine den Unterhalt für sich und das Kind zu verdienen. Entlassene Kindersoldaten lernen einen Beruf. Junge Menschen versammeln sich zu Fortbildungsveranstaltungen. Friedenserziehung findet in allen Gruppen statt. Die Lehrer erhalten Ausbildung und Gehalt.

Aber es ist nicht das Geld allein, das unsere Geschwister tröstet und ihnen Mut zum Überleben gibt, sondern die damit ausgedrückte Anteilnahme und Hilfsbereitschaft der Menschen hier in Deutschland wie auch die beim katastrophalen Ausbruch des Vulkans in Goma erfahrene Solidarität der Geschwister aus Brasilien und Taiwan. Auch das Wissen darum, dass hier Menschen für sie beten, bedeutet ihnen viel.

Die Partner in Köln setzen sich für die Belange der Kongolesen auch im politischen Bereich ein: Unterschriftenaktionen und Briefe an deutsche und kongolesische Politiker wurden geschrieben. Darum engagieren sich die Gemeinden hier auch weiterhin, schreiben Briefe, organisieren Gemeinde- und Partnerschaftsfeste, feiern Gottesdienste, um die Verbindungen am Leben zu halten und zu vertiefen.

Cornelia Kesten im Mai 2009, aktualisiert Nov. 2012, Helena Gaida

Ansprechpartner in Herkenrath: Helena Gaida, Tel. 02204-83736

Übersicht
Die baptistische Kirche in Zentralafrika 
Communauté Baptiste au centre de l’Afrique – CBCA

entstand aus der Mission baptistischer Kirchen aus Amerika und ist als CBK –Baptistische Kirche im Kivu seit 1960 selbständig.
Ihr Logo: Jesus das Alpha und Omega all unserer Aktivitäten.
Ihr Auftrag: den ganzen Menschen erreichen, unterrichten, ausbilden, ihm dienen, dem Körper, der Seele, dem Geist.
Dazu gehört von Anfang an ein politisches Engagement. Ihre Heimat ist der Osten der demokratischen Republik Kongo, vormals Zaire. Der Sitz der Kirchenleitung liegt in Goma, nahe der Grenze zu Ruanda.
Die CBCA hat 450.000 Mitglieder (inklusiv Kinder), und setzt sich aus 15 Kirchenkreisen zusammen, an deren Spitze jeweils ein verantwortlicher Pfarrer steht. Ihre 404 Gemeinden werden von 524 ordinierten Pfarrern geleitet. 

Ein Schwerpunkt der Arbeit der Kirche liegt auf der Aus- und Weiterbildung auf verschiedenem Niveau. Sie unterhält  Krankenhäuser, Gesundheitsstationen und soziale Zentren. Die Kirche  unterhält Kindergärten, mehr als 400 Grund- und Oberschulen mit zum Teil praktischer Ausbildung. Sie unterhält 2 Bibelschulen und hat die Freie Universität im Land der großen Seen (ULPGL) mit begründet. Die Sprachen der Kirche sind Kisuaheli und Französisch, zunehmend auch Englisch.
Aktivitäten und Projekte werden von den Gemeinden selbst in die Wege geleitet und meistens selbst durch Kleinprojekte zur Selbstfinanzierung umgesetzt.
In diesen Zeiten fehlender staatlicher Strukturen und katastrophaler Kriegsauswirkungen im Kongo organisieren die Kirchen das soziale Leben, beherbergen Flüchtlinge, versorgen Kriegswaisen, bilden Frauen weiter, halten Seminare nicht nur zur Evangelisation sondern auch zur Gesundheitsvorsorge und zur Friedensvermittlung ab.

Die CBCA ist Mitglied der Kirche Christi im Kongo –Eglise du Christ au Congo – ECC, der Vereinigung 64 protestantischer Kirchen im Kongo, der Konferenz für Gesamt-Afrika (CETA) und der  baptistischen Weltallianz (ABM).
Welche Wertschätzung die Kirche genießt, ersieht man aus der Wahl ihres Leiters zum Vorsitzenden des neu gewählten Senats in der Hauptstadt Kinshasa (Mai 2003). Die CBCA ist ein Mitglied der Vereinten Evangelischen Mission, einem Zusammenschluss von Kirchen in drei Erdteilen.

Der Kirchenkreis Kalungu
besteht aus 16 Gemeinden, von denen wegen des Krieges einige nicht mehr lebendig sind. Die anderen sind durch die große Zahl der Flüchtlinge angewachsen und belastet. Durch Kriegshandlungen, Überfälle und Vertreibung ist die Bevölkerung verarmt. Hunger und Krankheiten nehmen zu.  Projekte zum Unterhalt der Gemeinden und zur Hilfe für die Menschen können mit großem persönlichem Einsatz und auch mit finanzieller Unterstützung von den Partnern im Ausland durchgeführt werden.

Spenden an unsere Gemeinde, selbstverständlich auch für alle unsere Projekte, die Sie auf dem Überweisungsschein angeben an:

Evangelische Kirchengemeinde Bensberg,

IBAN: DE79 3506 0190 1010 9250 17
BIC: GENODED1DKD

KD-Bank eG, Dortmund

Falls Sie eine Spendenbescheinigung wünschen, benötigt das Gemeindeamt Ihre Postadresse!
Herzlichen Dank!

Rabbiner für Menschenrechte

Rabbiner für Menschenrechte Wie unsere Partnerschaft mit den „Rabbis for Human Rights“(RHR) entstand 

Eines Tages, d.h. im Winter des Jahres 1998, fragte mich unser Pfarrer Wolfgang Graf, ob ich wohl bereit wäre, eine Partnerschaft mit einer jüdischen Gemeinde „einzufädeln“, gleichsam als Ersatz für die inzwischen ausgelaufene Partnerschaft mit unserer früheren DDR- Partnergemeinde. Ich antwortete: „ Mit Freuden, aber die Palästinenser müssen auch eine Rolle dabei spielen!“ Das war kein Problem, und so machte ich mich daran, meine Fühler in diese Richtung auszustrecken. Mein erster Gedanke , den ich dann auch verwirklichte, war, zweierlei miteinander zu verbinden: auf der einen Seite eine Förderung des christlich-jüdischen Dialogs und zum anderen eine aktive Beteiligung an Friedens- und Menschenrechtsarbeitarbeit in Israel und Palästina.    

Nichts schien mir dafür geeigneter als Beziehungen aufzunehmen mit den „Rabbis for Human Rights“ in Jerusalem. Aus Handbüchern über Friedensgruppen in Israel war mir diese Organisation bekannt, doch von ihren etwa hundert Mitgliedern kannte ich nur einen einzigen Rabbiner und auch diesen nur ziemlich oberflächlich, aber ich dachte, man könne es doch einmal wagen. Und so schrieb ich einen ausführlichen Brief an Rabbiner Jeremy Milgrom , in dem ich ihm meine Ideen im Hinblick auf die Gründung einer Partnerschaft mit den RHR darlegte, und siehe da! ich stieß auf großes Interesse auf Seiten unseres zukünftigen Partners! Es stellte sich heraus, dass er sogar vorhatte, in diesem Jahr eine Vortragstour durch Deutschland zu machen. Durch die Deutsch-Palästinensische Gesellschaft erfuhr ich dann, dass am Ende dieser geplanten Reise noch Platz für einen Vortrag in unserer Gemeinde sei, ja dass er sogar in unserer Kirche predigen könne! Dieser Plan konnte dann tatsächlich umgesetzt werden, und so hielt Jeremy Milgrom, der sich sofort gut mit Wolfgang Graf verstand, seine erste Predigt in der evangelischen Kirche Bensbergs. Nach der gerade anstehenden Lesung aus 1. Mose 28-33 ging es um einen entscheidenden Abschnitt im Leben Jakobs, nämlich seinen Traum von der Himmelsleiter während seiner Flucht vor seinem Bruder Esau, den er ja auf nicht gerade schöne Weise hintergangen hatte. Aber Jeremy Milgrom verband diese Geschichte auch mit der wunderbaren Erzählung von der Versöhnung zwischen den beiden verfeindeten Brüdern, gleichzeitig ein sehr eindrucksvolles Symbol für die beginnende Versöhnung zwischen Juden und Christen nach den schrecklichen Ereignissen des Genozids an den Juden während der Nazizeit. Unser Prediger verstand es so gut, den Gedanken der Versöhnung zu verdeutlichen, dass die Gemeinde nach der Beendigung der Predigt spontan zu klatschen begann. Das war also der Auftakt zu der nun bald fünfjährigen Partnerschaft mit den „Rabbis for Human Rights“! Später wurde dann das Ganze noch durch einen Prebyteriumsbeschluss abgesegnet.  

Seitdem hat uns Jeremy Milgrom schon häufig besucht, hielt auch Vorträge zur aktuellen politischen Situation in Israel / Palästina und diskutierte mit Schülern in verschiedenen Schulen Bensbergs. Ein besonderer Höhepunkt war die Verleihung der Georg-Fritze-Gedächtnisgabe , die Jeremy Milgrom stellvertretend für die RHR im letzten Jahr in der Kartause entgegennahm. Inzwischen hat die Partnerschaft auch ganz praktische Konsequenzen nach sich gezogen, denn wir haben mit Hilfe unserer Kollekten, einer palästinensischen Nichtregierungsorganisation und natürlich in Kooperation mit den RHR ein Frauenzentrum bei den Jahalin-Beduinen eingerichtet, das nun durch „Hilfe zur Selbsthilfe“ immer weiter entwickelt werden soll. Gleichzeitig möchte ich auf einige der anderen Aktivitäten unserer Jerusalemer Partner hinweisen: Sie setzen sich sehr für die Palästinenser ein, deren Häuser von Abriss bedroht sind – Arik Aschermann, der geschäftsführende Direktor, hat sich sogar schon mehrfach mit seinem eigenen Körper heranrollenden Bulldozern in den Weg gelegt! – pflanzen Olivenbäumchen für palästinensische Bauern, deren Olivenbäume massenhaft abgeholzt wurden, oder helfen ihnen gegen raubgierige Siedler bei der Olivenernte, darüber hinaus engagieren sie sich auch für die Rechte von Gastarbeitern aus dem Fernen Osten etc. 

Aber es sollte nicht vergessen werden, dass wir auch eine Rabbinerin bei uns zu Gast hatten ( im Jahre 2000)! Ma’ayan Turner hat ebenfalls hier gepredigt und in Gymnasien gesprochen; damals ging es um den 9. November. Wir hoffen, dass sie nicht das einzige weibliche Mitglied unserer Partnerschaft bleiben wird, denn wir haben schon eine weitere Rabbinerin in unsere Gemeinde eingeladen: Na’mah Kelman, die am Hebrew Union College in Jerusalem doziert. Auf diese Weise hoffen wir unsere Partner jenseits des Mittelmeers immer besser kennen zu lernen und sie uns! (Annelise Butterweck)  

Über die aktuelle Situation in Israel/ Palästina

 Marylene Schultz und Annelise Butterweck berichten.  

Meine Familie vergrössert sich  
von Marylene Schultz  

„Darf ich bitte bei dir bleiben?“

Die, die mir diese Frage stellte, war eine junge Frau, etwa zwanzigjährig. Sie hatte eindeutig Angst. Wie auch ich, befand sie sich eines Abends bei der Taxistation gegenüber vom Damaskustor in Jerusalem. Da stehen die Sammeltaxis, die früher nach Azariah-Abu Dis fuhren, jetzt nur bis zum Checkpoint. Da ist nämlich seit Juli 2002 die Welt zugemauert. Kein Vehikel kann vorbei. Da steigt man aus, klettert über ein Mäuerchen, geht über ein Feld, wo manchmal Stacheldraht das Gehen erschwert, um dann auf der anderen Seite in ein anderes Taxi zu steigen.

Es war beinahe 8 Uhr abends, kalt und regnerisch. Um diese Zeit ist es selten, gerade bei solchem Wetter, dass eine junge Frau, die nicht hier wohnt, allein in der Stadt ist.

Männer und junge Burschen, die von irgendeiner Arbeit kommen, warten, bis sich jeweils ein Ford mit 10 oder 12 Sitzplätzen gefüllt hat. Der Chauffeur fragt jeden der einsteigen will, ob er die richtige, blaue, Jerusalemer Identitätskarte hat. An diesem Abend verlangt er nicht, wie mache es tun, sie zu sehen. Die junge Frau zögert, mag nicht lügen, hat aber Angst die Wahrheit zu sagen. Sie braucht nichts zu sagen, der Chauffeur hat verstanden. Er gibt keine Antwort, fordert sie aber auch nicht auf einzusteigen. Nimmt er sie mit und wird er kontrolliert, muss er eventuell 5000 I.S.bezahlen, oder sein Taxi wird konfisziert. Sie hier stehen lassen? Das geht weit über den Ehrbegriff eines arabischen Mannes. Wir stehen unschlüssig da, sie schmiegt sich an mich. Ich kann nicht einsteigen. Soll ich ihr vorschlagen, die 6 km zu Fuss zu gehen? Das ist noch verdächtiger, so uns eine Militärpatrouilie überholt. Ich kann aber schlecht den Fahrer bitten, doch grosszügig zu sein, es kann für ihn heissen, dass er sein Einkommen verliert, von dem eine oder zwei Familien leben. Sie setzt einen Fuss ins Auto, keine Reaktion vom Fahrer. Er tut, als würde er nicht sehen, wer einsteigt.

Dann sitzt sie in der Ecke, ich neben ihr. Sie flüstert: „Wirst du sagen, dass ich deine Angestellte bin?“ „Nein, ich werde sagen: meine Enkelin, oder eine Nichte oder was weiss ich, ich habe keine Angst. Aber sage mir deinen Namen“.

Das Taxi ist voll, der Fahrer zögert abzufahren. Ich spüre seine Zerrissenheit, schweige, als er sich eine Zigarette anzündet, obwohl ich das Rauchen in öffentlichen Verkehrsmitteln sonst immer beanstande. Dann schlage ich dem Chauffeur vor, mit der jungen Frau auszusteigen, sobald eine Kontrolle in Sicht ist. Er lässt den Motor an. Keiner spricht. Alle starren nach vorne auf die Strasse. Ob da irgendwo Soldaten stehen? Plötzlich hinter einem Gebäude auftauchen?

Die Spannung ist groß. Mir scheinen die 6 km ein unglaublich langer Weg zu sein. Ich frage mich, wie oft ein Chauffeur dieses Dilemma aushalten muss: entweder Polizist zu spielen für die Besatzungsmacht, in dem er die zurückweisst, die die richtigen Papiere nicht haben, oder wie manche Fahrten er unter solchen Spannungen zurücklegt. Als wir die Gefahrenzone hinter uns haben, atmen alle auf. Wir schauen uns an, ihr Lächeln ist so strahlend wie die aufgehende Sonne.

Azariah  von Marylene Schultz    


Besuch in El Aizariya  
von Annelise Butterweck  

Als ich mich nach der offiziellen Beendigung des Bush-Krieges gegen den Irak entschloss, nach Palästina zu fahren, hatte ich das große Glück, bei Marylene Schultz und Diet Koster, den beiden Erzieherinnen unseres Kinderheim-Projekts, die beide schon in unserer Gemeinde von ihren Erfahrungen erzählt haben, zu Gast sein zu dürfen. Bei Diet konnte ich im Vorratsraum schlafen, wunderbar ruhig, ganz anders als in Jerusalem, wo sich auch nachts der Autoverkehr lärmend durch die Straßen bewegt. Hier, im sog.Team-Haus, lernte ich ein Stück weit die Großfamilie kennen, zu der sich inzwischen das Kinderheim von damals entwickelt hat: Z.B. den blinden Naseraus Bethlehem, der in Abu Dis Sozialarbeit studiert und immer erst kurz vor den Prüfungen fleißig wird, Hakam, der bei Mohammed Abu Hilweh – auch er war schon bei uns in Bensberg zu Gast, als er in Köln seine Optikerlehre absolvierte – als Optikerlehrling arbeitet, aber oft, von depressionen heimgesucht, im Bett liegen bleibt, und die freundliche, lebenslustige Kitham, die als Kind eine schwere Krankheit durchgemacht hat, von der sie durch eine komplizierte Operation in der Schweiz geheilt werden konnte, und die jetzt als Nachtschwester in den Four Homes of Mercy arbeitet. Ich nahm auch teil an an den sonntäglichen Zusammenkünften der Großfamilie, die sich bei Diet regelmäßig zum Abendessen versammelte, und lernte so manche von Diets „Enkelkindern“ kennen, die die auf Tisch und Boden herumkrabbelten. Darunter waren auch die beiden süßen Kinder unseres Mohammed. Draußen vor dem Haus schnatterten unterdessen Väter und Mütter munter durcheinander, sich im kühlen Abendwind von den Strapazen des Tages erholend. Auch bei Marylene fühlte ich mich sehr wohl. Obwohl sie pensioniert ist, kümmert sie sich nach wie vor um die Ehemaligen, deren Kinder, um Nachbarsfrauen und Jugendliche aus dem Dorf,die beinahe zu jeder Tages-und Nachtzeit bei ihr hereinschneien, denn ihr Haus ist fast Tag und Nacht offen für alle, die sie brauchen oder auch einfach zum Vergnügen kommen.

Das gilt vor allem für diejenigen, die gerne spielen wollen: Buchstabenspiele, Zahlenspiele, Schach, denn auch sie selbst ist eine leidenschaftliche Spielerin. Daneben widmet sie sich mit aller Liebe ihrem kleinen Garten mit seinem Mispelbaum, der über und über mit saftigen gelben Früchten bedeckt war und großen Zuspruch bei den Kindern fand, dem Weinstock mit seinen bei Nachbarsfrauen begehrten Weinblättern, dem kleinen Olivenbaum , diversen Küchenkräutern, gelben Blumen und vor allem mit grünem Salat. Dieser Salat ist ihre ganze Freude; deswegen wird auch jeden Tag Salat gegessen, und außerdem versorgt sie fast die ganze Gegend bis hin nach Jerusalem und Bethlehem mit diesem köstlichen Gartengewächs. Nicht weit von meiner Unterkunft, ganz am Ende von El Aizariya, erstreckt sich , auf einem unwirtlichen Hügel, dem „Dschabal“, das Flüchtlingslager

der Jahalin-Beduinen, die durch die finanzielle Hilfe unserer Gemeinde vor kurzem ja das lang ersehnte Frauenzentrum erhielten.

Ich war natürlich sehr begierig, dieses gute Stück nun mit eigenen Augen kennenzulernen und hoffte, auch schon einige Aktivitäten mitzuerleben. Letzteres kommt leider erst jetzt in Gang, denn die Uhren gehen im Orient ziemlich langsam, aber ich konnte immerhin die neue Spüle, den Gasherd und die Plastikstühle bewundern, die noch unausgepackt in der Ecke standen.Später kam dann noch der Generator hinzu, den Marylene und ich gerne mit Solarenergie betrieben sehen wollten, was

aber leider dort noch nicht möglich ist. Zusammen mit Rima, einer Sozialarbeiterin von PARC ( Palestinian Agricultural Relief Committee), unserer Partner-NGO, und mit etwa 15 von ihr bestellten Beduinenfrauen besprachen wir deren Pläne und Wünsche. Es herrschte eine gute, aufgeschlossene Atmosphäre, und ich freute mich, bei dieser Gelegenheit auch Sabcha kennenzulernen, die an einem Gehirntumor litt und zwei schwierige Operationen absolvieren musste, deren Kosten auch von unserer Gemeinde mitgetragen wurden. Es stellte sich heraus, dass die Frauen, die mit großem Kinderreichtum gesegnet sind, sehr gerne auch einen Kindergarten hätten. Hier wäre zu hoffen, dass unsere Hilfe mit der Zeit auch zu einer echten „Hilfe zur Selbsthilfe“ wird, d.h. dass sie allmählich, z.B. durch Nähkurse im neuen Frauenzentrum, in die Lage versetzt werden, selbst Geld zu verdienen ( neuerdings kam die Idee auf, dass sie vielleicht durch Basteln von Solarkochern und Ähnlichem zum Lebensunterhalt beitragen könnten). Neben dem neuen Caravan gibt es auf dem Kamm des Hügels noch andere Baracken, die teils von der Regierung und teils vom französischen Konsulat bereitgestellt wurden. Hier werden die Kinder von drei Lehrerinnen, die jeden Tag aus Jerusalem herkommen, und einem Direktor unterrichtet, sogar in Form von Koedukation. Es machte Spaß, dort zu hospitieren und zu erleben, wie sie Englisch lernen oder sich die Namen von Küchenkräutern merken. Eins der Kinder, die zehnjährige Muna, lente ich etwas genauer kennen. Ich hatte ihr, wenn auch noch stockend und langsam,

eine lustige Juha (Eulenspiegel) – Geschichte auf arabisch vorgelesen, wobei sie mich immer wieder korrigierte, klatschte aber trotzdem Beifall. Dann führte sie mich durchs Lager, zeigte mir einige muntere Esel , ließ sich vor dem Frauenzentrum fotografieren, wobei sie die Hand zum Victory-Zeichen erhob und dies auch mir beibrachte, so dass ich jetzt richtige Übung darin habe. Es wäre noch manches von den Jahalin zu erzählen, von dem neuen Spielplatz, dem geplanten Sommercamp, den Männern, die hier das Sagen haben, aber auch von den beiden jungen Frauen, die an der Universität zu studieren begannen.

Das spare ich mir für das nächste Mal auf.  von Annelise Butterweck



Zavidovici

Zavidovici
Unsere Partnerschaft mit den Menschen in Zavidovici – von Pfarrer Graf

Wie alles begann: Plötzlich waren sie da. Etwa 200 Flüchtlinge aus allen Teilen Bosniens. Menschen, denen man ansah, dass sie schon lange Hunger gelitten und Angst um ihr Leben gehabt hatten. Im alten Car-Park der belgischen Armee in Bensberg wurden sie in Verschlägen untergebracht. Hochbetten standen um die Wände der vielleicht 7 Quadratmeter großen Behausungen, ein Tisch in der Mitte, Herd und Kühlschrank gab es im Gemeinschaftsraum. Es war kurz vor Weihnachten und wir, d.h. Gretel Diekmann (evg.). Anni Müller (rk.) und ich, besuchten die Menschen, stellten einen Besuch des Nikolaus auf die Beine, um sie zu überraschen und knüpften die ersten Kontakte. Die Freundlichkeit tat ihnen gut, und uns erfreute ihre gastfreundliche Art, wie sie uns sofort Kaffee anboten und uns mit dem Wenigen, was sie hatten, bewirteten. Die Kinder, besonders die Mädchen, stellten spontan eine kleine Gruppe zusammen, die für uns sang und tanzte. Im Anschluss ging jeder von uns noch zu einer Familie, in ihre Unterkunft. Mich führte mein Weg zu Familie Starcevic. Der Vater, Sejad, in seiner alten Heimat Landvermesser, die Mutter Aissa Lehrerin, die beiden Kinder Emir und Elma, gerade 5 und 7 Jahre alt. Aus dieser Begegnung sollte eine echte Freundschaft werden!Die bosnischen Familien haben über mehrere Jahre in Bensberg gewohnt. Sie zogen aus dem Car-Park aus, wohnten dann im Bensberger Schloss (heute ein Luxushotel), bekamen allmählich Wohnungen, manche auch Arbeit. Immer begleitet und beraten von unseren ökumenischen Flüchtlingshelferinnen und -helfern. Aber in allen Gesprächen war der Wunsch herauszuhören, doch bald wieder in die Heimat zurück zu gehen. Ein paar Mal musste ich Sejad überzeugen, dass es im Moment noch nicht besser sei, als Kämpfer in sein Land zurück zu gehen. „Nach dem Krieg werden Leute wie du gebraucht“, war meine Argumentation. Aber es war doch schwer für ihn, aus der Ferne mitzuerleben, was in seiner Heimat geschah. Der Telefonkontakt zu seinen Eltern und Geschwistern bestand die ganze Zeit. Er stammt aus Zavidovici, einer Kleinstadt, hundert Kilometer nördlich von Sarajevo. Einer seiner Brüder lebt in Bihac, einer damals völlig eingekesselten Stadt, deren Bewohner drei Jahre nicht heraus konnten. Seine Frau starb damals, weil sie wegen eines Nierenleidens nicht operiert werden konnte. In Zavidovici war die Lage ähnlich. Von den Bergen (Bosnien ist ein sehr bergiges Land) nahmen serbische Kräfte das Leben in der Stadt unter Beschuss. Viele Einwohner kamen ums Leben oder wurden verstümmelt. Das Krankenhaus wurde durch Granaten zerstört, drei Schwestern verloren ihr Leben. Die Ärzte zogen um und operierten im Keller des einzigen Hotels in der Stadt notdürftig weiter. Auch die Schulen im Ort wurden Opfer des Terrors. Direktor Muhic, der die drei Grundschulen leitet, verlegte den Unterricht in die Keller von Privathäusern. Er ist stolz darauf, dass während der Schulzeit kein Kind durch Beschuss ums Leben kam. In Bensberg war Sejad Starcevic in unserer Gemeinde eine große Hilfe geworden. Ohne Bezahlung wurde er die Stütze unseres Küsters Alfred Rösch und übernahm sogar – als Muslim- während der Ferien seine Vertretung. Wenn das keine Mega-Ökumene ist!  

Unsere erste Fahrt nach Bosnien

Als die bosnischen Familien Bensberg wieder in Richtung Heimat verließen, fiel uns das sehr schwer. Wir machten uns Sorgen über das Schicksal unserer Freunde in einem zerstörten Land. Darum dauerte es auch nicht lange, bis wir uns auf den Weg dorthin machten, um sie zu besuchen. Im September 2000 fuhren wir mit dem Gemeindebus und vielen Hilfsgütern die lange Strecke. Gretel Diekmann, Anni und Helmut Müller, Alfred Rösch und ich erfuhren schon auf der Strecke, wie die Zerstörungen des Balkankrieges gewütet hatten. Am besten sah es in Slowenien aus. Aber je mehr wir an das Zentrum der serbisch – bosnischen Auseinandersetzungen kamen, um so verheerender war der Eindruck. Hinter Slowanski Brod passierten wir die Grenze und kamen in die serbische Zone. Ich weiß nicht wie viele Kilometer es waren, aber an der Straße, die wir befuhren stand kein einziges bewohnbares Haus mehr. Leere Fensterhöhlen starrten uns an, Bäume wuchsen aus ihnen heraus und die Vorgärten waren verwildert. Kein Mensch konnte dort hinein gehen. Die Gefahr, auf eine Mine zu treten, war zu groß. Im bosnischen Teil sah es kaum besser aus. Auch hier war die Zerstörung an jedem Gebäude sichtbar. Einzig die Tatsache, dass viele Bosnier in den Jahren zuvor als Flüchtlinge im Ausland waren und ein wenig Geld, Baumaterial, Möbel oder alte Autos mitbringen konnten, machte die Sache optisch besser. Der Empfang in Zavidovici war umso herzlicher. Nicht nur unsere Freunde, sondern, von ihnen organisiert auch die Bürgermeisterin, der Krankenhausdirektor und Schuldirektor Muhic empfingen uns mit offenen Armen. Ausdrücklich wollten sie uns nicht nur die Zerstörung zeigen, sondern auch die Schönheit ihrer Heimat. Andererseits konnte man auch die Schäden und die katastrophale wirtschaftliche Lage und ihre Auswirkungen auf die Menschen nicht übersehen.

Im Krankenhaus konnten wir uns von den Schäden durch die Bombardements einen Eindruck verschaffen. Es gab damals Hilfe aus Saudi Arabien, aber keine Hilfe war genug, um dort schnell etwas zu bewirken. Direktor Muhic führte uns durch die Schulen und wir sahen mit Erschrecken, mit welcher Systematik hier geschossen und zerstört worden war. Nicht nur die Menschen, auch die Kultur sollte zerstört werden. Und trotzdem – auf meine Frage, wie denn das Zusammenleben in Zukunft aussehen sollte, bekam ich die Antwort: „Wir müssen zusammen leben. Es macht keinen Sinn, sich weiter zu hassen. Es sind die Kinder, hier in unseren Schulen, die diese Zukunft bauen müssen.“ Und tatsächlich, im Unterricht der Grundschule saßen sie alle zusammen, bosnische, serbische und kroatische Kinder und berichteten darüber, wie sie zusammen spielen. Überzeugender kann in die Friedensarbeit nicht investiert werden. Wir fuhren weiter nach Sarajevo und trafen dort noch einmal ca. 30 unserer ehemaligen Schützlinge.

Bei manchem hatte ich den Eindruck, dass jetzt, nach der Rückkehr, wieder Hunger und Armut überhand genommen hatten. Tief bewegt und mit vielen Vorsätzen zur Hilfe traten wir den Heimweg an, immer vor Augen das Schicksal der Menschen, aber auch die enorme Herzlichkeit, mit der wir in diesen Tagen verwöhnt wurden. Oft saßen wir bis spät in die Nacht bei einem Slibowitz und Grillfleisch auf der Terrasse von Sejads Eltern, erzählten, lachten und lauschten, wenn der Muezzin seinen Gesang anstimmte.

Wie es weiterging: Der Marathon  

Von nun an wurde in unseren Bensberger Gemeinden verstärkt für die Menschen in Bosnien gesammelt. Immer wieder konnten wir größere Beträge von mehreren Tausend D-Mark nach Zavidovici, vorrangig an die Schule schicken. Die Schule wurde das eine Standbein unserer Hilfe. Das Krankenhaus war das andere Ziel. In Gesprächen mit Sejad und dem Krankenhausdirektor hatte ich gehört, wie dringend dort ein Gastroskop gebraucht würde. Das Polyklinikum in Zavidovici ist erste Anlaufstelle für 60.000 Menschen des Kantons und besaß kein Gastroskop.

Andererseits fiel ich fast um, als ich den Preis für solch ein Gerät hörte, etwa 30.000 D-Mark. Trotzdem ließen wir uns nicht entmutigen. Alle Ärzte im Rheinisch-Bergischen Kreis wurden angeschrieben und um Spenden gebeten. Alle kirchlichen Kollekten bei Trauungen wurden für das Krankenhaus gesammelt. Aber es war abzusehen, dass das nicht reichen würde. Darum kam ich auf die Idee, mein Hobby als Mittel zum Zweck einzusetzen. Zusammen mit unserem Diakon, Rainer Beerhenke, begann der Plan für einen Spendenmarathon zu reifen. Wir beide und unser Zivi Stephan Weber wollten den Berlin-Marathon laufen und uns von Spendern aus der Gemeinde jeden Kilometer versilbern lassen. Ein Kilometer = 1 DM.

Was wir erreichten, übertraf unsere kühnsten Erwartungen. Bevor wir uns im September auf den Weg nach Berlin machten, hatten wir über 9000 DM an potentiellen Spenden. Wir mussten nur noch ankommen! Zum Glück waren wir alle so gut trainiert, dass es geklappt hat. Über Zeiten reden wir nicht! Einzig der Zivi, dieser junge Hüpfer lief uns davon….Am Samstag, dem Tag der Abreise hatte ich noch, zusammen mit dem Kollegium der Waldorfschule Bergisch Gladbach, einen Sponsorenlauf für die Schüler organisiert. Und auch dieser Lauf brachte noch einmal 5000 DM ein. Eine riesige Leistung! Auf diese Weise hatten wir nun ca. 17.000 DM hart erarbeitet. Und aus Bosnien kam die Nachricht, dass das dortige Gesundheitsministerium auch einen Teil dazutun konnte. So konnte endlich das Gerät bestellt werden. Zur Einweihung machte ich mich auf den Weg nach Zavidovici. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Der Eindruck war überwältigend. Sejad hatte die gesamte Presse organisiert und Radio und Zeitungen waren vor Ort.

Ein Empfangskomitee der örtlichen Politiker, sowie zwei bosnische Minister standen bereit, um mit mir zusammen das Gerät an den Krankenhausdirektor Dr. Muhic (ein Vetter des Schuldirektors) zu übergeben. Und anschließend gab es ein rauschendes Fest mit allem, was die Balkanküche zu bieten hat. Besonders schön war aber auch den Zustand der Schulen zu bewundern. Mithilfe unserer und staatlicher Gelder war es Direktor Muhic gelungen, die Schulen wieder instand zu setzen. Kein Vergleich mehr mit den Bildern zwei Jahre zuvor. Meine Freude über diese sichtbare Hilfe aus unseren Gemeinden war nicht zu beschreiben.   

von Pfarrer Graf